Michael arbeitete früher schon gerne mit älteren und hochaltrigen Menschen

Michael von der Heide ist einer der bekanntesten Schweizer Sänger. Trotzdem hat er sich vor vier Jahren entschieden, parallel wieder in seinem ursprünglich gelernten Beruf einzusteigen und sich in der Langzeitpflege zu engagieren.

«Vor 30 Jahren habe ich die Ausbildung als Krankenpfleger AKP gemacht, so hiess das damals noch. Ich habe in Alterszentren und bei der Spitex gearbeitet, das hat mir immer sehr gefallen. Zeitgleich begann ich aber auch intensiver Musik zu machen. Als junger Mensch zögerte ich nicht zweimal, als sich mir die Chance bot, voll auf die Musik zu setzen. Jedoch habe ich im Verlauf meiner Musikerkarriere oft mit dem Gedanken gespielt, irgendwann parallel wieder Teilzeit in der Langzeitpflege zu arbeiten.

Wenn mir jemand eine Chance gibt, dann mach ich es

Ich wohne gleich neben einem Alters- und Pflegeheim und beobachtete nachts oft die Lichter. Da sagte ich mir, wenn irgendwann ein Impuls von aussen kommt oder mir jemand eine Chance gibt, dann mache ich es. Vor fünf Jahren gastierte ich an einem Konzert in Zürich und eine alte Freundin, mit der ich damals im Spital Linth in Uznach gearbeitet habe, kam vorbei. Sie sagte: «Michael, falls du mal einen Job brauchst, jederzeit. Ich bin jetzt Heimleiterin!» Das war der Beginn meines Wiedereinstiegs.

Leidenschaft, Durchhaltewillen, Flexibilität – und Freude

Ich startete mit einem Praktikum, um zu sehen, ob das Berufsfeld für mich noch stimmt. Bereits nach drei Tagen sagte ich für eine 40%-Stelle in der Nachtwache zu. Der Pflegeberuf ist fast wie Fahrradfahren. Die Bedürfnisse der Menschen haben sich in all den Jahren nicht geändert. Die Arbeit im Alters- und Pflegeheim gleicht auch ein wenig einer Bühne. Bevor man ein Zimmer betritt, muss man sich überlegen: Was wird von mir erwartet und was möchte ich bieten können? Für beide Berufe braucht man Leidenschaft, Durchhaltewillen, Flexibilität und natürlich Freude.

«Ich lasse meine eigene Lebenserfahrung in die Pflege einfliessen.»

Menschen und Individualität im Mittelpunkt der Pflege

Die technischen Unterschiede zu früher arbeitete ich schrittweise auf – damals gab es noch nicht einmal Computer. Ebenso habe ich den Nothelferkurs aufgefrischt und mich in Kinästhetik weitergebildet. Nun möchte ich mit zusätzlichen Fortbildungen weiterfahren. Denn gerade Kinästhetik, also den Menschen und seine individuellen Ressourcen in den Mittelpunkt der Pflege zu stellen, finde ich einen spannenden Ansatz. Im Alters- und Pflegeheim gelang es mir auch, rasch eine Beziehung zu den Bewohnerinnen und Bewohnern aufzubauen. Sie kannten mich aus dem Fernsehen und so wirkte ich bereits zu Beginn eher wie ein vertrauter Bekannter auf sie. Im Lockdown arbeitete ich zudem in Tagesschichten und sang viel für die Bewohnenden und auch mit ihnen.

Eigene Lebenserfahrung hilft in der Langzeitpflege

Ich arbeitete früher schon gerne mit älteren und hochaltrigen Menschen. Man lernt viel von ihnen und der Austausch ist bereichernd. Nun bin auch ich älter als damals und denke, dass ich ihnen dank meiner Erfahrung eine sehr gute Pflege bieten und sie begleiten kann. Die eigene Lebenserfahrung in die Langzeitpflege einfliessen zu lassen, ist wichtig. Das finde ich einen zentralen Gedankenanstoss für Menschen, die sich überlegen, wieder einzusteigen und zögern, weil sie nicht sicher sind, ob sie das noch können. Ich empfehle auch ein paar Schnuppertage. Man merkt dann schnell, wieso man diesen Beruf einmal so gerne gemacht hat. Diese positive Grundhaltung zur Langzeitpflege und was sie ausmacht, steckt in einer Person drin.»